Graduate School of the Arts (GSA)

Dissertation of Leonardo Miucci

Le sonate per pianoforte di Ludwig van Beethoven: le edizioni curate da Ignaz Moscheles (Die Klaviersonaten Ludwig van Beethovens: Die Gesamtausgaben von Ignaz Moscheles)

Die komplette Sammlung von Beethovens’ Klaviersonaten tauchte erst nach dem Tod des Komponisten auf dem europäischen Markt auf. Ignaz Moscheles veröffentlichte in diesem Sinne zwei verschiedene Sammlungen: die erste erschien im englischen Verlag Cramer & Co. Mitte der 1830er Jahre; die zweite brachte der Verlag Hallberger in Stuttgart Ende der 1850er Jahre heraus. Die Untersuchung dieser Ausgaben ist von erheblicher Bedeutung für die Exegese zur Interpretation beethovenscher Texte. Mit der Schilderung der Artikulation, des Pedaltretens, der Taktgebung und der Interpretationen konnte beispielsweise bewiesen werden, dass die Kompositionen Beethovens’ seine Intentionen nur zum Teil erklären. Dies gilt vor allem für die früheren Werke zum Hammerflügel - verständlicherweise, wenn der begrenzte Tastaturbereich und die spezifischen Ausdrucksmöglichkeiten dieses Instruments sowie die Entwicklung des kompositorischen Habitus der klassischen und romantischen Epochen berücksichtigt werden. Diverse Quellen bestätigen, dass Beethoven das Pedaltreten viel häufiger benutzte als er in seinen Partituren notiert hatte. Der in den beiden ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts neu aufgekommene Hammerflügel schuf neue Ausdrucksmöglichkeiten, was einer der Gründe war, weshalb Beethoven mehrmals versuchte, die komplette Sammlung der Klaviersonaten zu veröffentlichen. Seine Absicht war, die Klaviersonaten unter Berücksichtigung der neuen instrumentalen Möglichkeiten, insbesondere der Klangqualität und dem grösseren Tastaturbereich, auf den neuesten Stand zu bringen. Diese Grundidee inspirierte die Editionen von Moscheles: der böhmische Komponist passte die beethovenschen Texte an die damals neuen semiotischen Indikationen an, die von Beethoven selbst verwendet worden waren, als er noch aufgetreten war und gelehrt hatte. Der Beitrag Moscheles bereichert wesentlich das Wissen über die beethovensche Aufführungspraxis und ermöglicht einen direkten und respektvollen Zugang zu den Intentionen des Komponisten.

Dieses Projekt wurde u.a. unter dem Patronat des Beethoven-Hauses realisiert.

Betreuungspersonen

Prof. Dr. Anselm Gerhard, Universität Bern, Institut für Musikwissenschaft
Prof. Dr. Thomas Gartmann, Leiter Forschung Hochschule der Künste Bern HKB