Graduate School of the Arts (GSA)

Dissertation of Luzia Hürzeler

How to sleep among wolves. Ein Bericht über die in der Wolfsanlage im Zoo Zürich verkörperten Vorstellung des Mensch-Tier-Verhältnisses

 

"Wir sind im Winterschlaf!" - Diese und ähnliche Hinweisschilder finden Zoobesuchende in vielen Zoos der Welt immer wieder vor. Weder schlafende noch wache Tiere können schreiben. Sie haben Fürsprecher gefunden, die sich einerseits für sie artikulieren, andererseits für den Zoo entschuldigen, denn das Publikum möchte die Tiere lieber sehen als im Schlafe wissen.

Im Zentrum der künstlerischen Dissertation, die Teil eines interdisziplinären Nationalfondsprojektes ist, steht die Erkundung dieses ambivalenten Mensch-Tier-Verhältnisses der Zoologischen Anlage mit künstlerisch-installativen Mittel in einer Kombination mit sozialwissenschaftlichen Vorgehensweisen. Seit einigen Jahren widmen sich verschiedene zoologische Gärten nicht mehr nur der enzyklopädischen Repräsentation der Artenvielfalt durch Lebendexemplare, sondern verstärkt auch ihrem Schutz und der Erhaltung. Dieser neuere Umgang mit Tieren zeichnet sich für die Zoos darin aus, dass sie die alten gefängnisartigen Gehege oder die etwas jüngeren illusionistischen Panoramen (Hagenbeck) vermehrt durch grosszügige Anlagen ersetzen.

In der räumlichen Anlage geht diese Konzeptualisierung mit sich teilweise widersprechenden Effekten einher: Auf der einen Seite sind die Tiere nicht mehr so einfach zu sehen, es stehen ihnen Felsspalten, Höhlen, Nebenräume zur Verfügung, die ihren Rückzug vor den Besucherströmen erlauben. Andererseits werden die Grenzen zwischen Mensch und Tier zunehmend verdeckt oder aufgehoben, Besucherinnen werden in die Tierräume miteingeladen (z.B. Masoalahalle, Zoo Zürich) oder aber die Tiere treten in die Besucherräume ein (Pinguinparade, Zoo Zürich). Die Tiernähe wird mithin als Zugang zur Wildnis für Stadtmenschen inszeniert, und ein idealisiertes Bild der gelungenen Integration von aussterbenden oder wilden Arten gezeichnet, während naturnahe Lebensräume ebenso wie gefährdete Naturparadiese zunehmend in die Ferne gerückt scheinen. Möglicherweise ist die Suche nach dem (wilden) Tier im Zoo an die Sehnsucht nach einer Restauration naturnaher Lebensweisen im städtischen Kontext oder nach der Etablierung eines ökologiepolitischen Bewusstseins gebunden.

Diese Konstellation und die genannten, sich zum Teil widersprechenden Entwicklungen, führt zur Forschungsfrage, die der geplanten Dissertation zu Grunde liegt, nämlich wie diese Entwicklung der ambivalenten Mensch-Tier-Beziehung in den räumlichen Anlagen des Zoos verkörpert ist und sich überlagert und inwiefern zeitgenössische Zoos zentrale Veränderungen im Mensch-Tier-Verhältnis lediglich abbilden, oder inwiefern sie diese mit zu gestalten versuchen, bzw. mit zu gestalten vermögen.

Betreungspersonen

Prof. Dr. Heinzpeter Znoj, Universität Bern, Institut für Sozialanthropologie
Prof. Dr. Priska Gisler, Leiterin des Forschungsschwerpunkts Intermedialität, Hochschule der Künste Bern HKB